Welche Kinorollen sind besonders selten?
Kinorollen sind weit mehr als technisches Zubehör aus vergangenen Tagen – sie sind heute begehrte Sammlerobjekte. Vor allem seltene Kinorollen, ob aus legendären Premieren, mit Zensurvermerken oder besonderen Trailern, erzielen auf Auktionen teils hohe Preise. Doch welche Exemplare gelten als besonders wertvoll? Und worauf sollten Sammler beim Kauf achten?
Raritäten und gesuchte Titel
Besonders gefragt sind:
- Premierenkopien bedeutender Filme
- Ungekürzte Originalfassungen
- Festivalrollen mit Einleitungssequenzen oder Titelkarten
- Kopien von nicht digital veröffentlichten Filmen
- Trailerrollen mit historischen Vorschauen (oft vernichtet)
- Indizierte oder zensierte Filme in Originalfassung
Auch B-Filme, Exploitation und Underground-Kino können heute rarer und wertvoller sein als Mainstream-Blockbuster.
Unterschiede bei Verleihkopien & Premierenrollen
- Premierenrollen sind meist frisch aus dem Kopierwerk, selten bespielt, mit originaler Beschriftung und exakten Produktionsdaten.
- Verleihkopien wurden durch viele Kinos geschleust – oft mit Gebrauchsspuren, aber mit dokumentierter Aufführungshistorie.
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Technik-Kopien (z. B. Teststreifen, Schulungsrollen) gelten als Kuriosa, manchmal mit ungewöhnlichem Material.
Der Zustand und die Seltenheit des Labels (z. B. Erstverleih, Sonderedition) entscheiden über den Wert.
Besonders seltene Genres & Jahrzehnte
- Stummfilmrollen (vor 1930) – fast immer Unikate
- DDR-Kinorollen – schwierig zugänglich, stark gefragt
- 70mm-Kopien – großformatig, teuer produziert, limitiert
- Horror- und Exploitationfilme der 70er–80er – heute Kult
- Independent-Produktionen mit limitierter Verbreitung
Bestimmte Jahrzehnte wie die 50er und späten 80er gelten als besonders sammelwürdig aufgrund von Wandel in Technik und Ästhetik.
Worauf Sammler beim Kauf achten
- Zustand der Filmrolle: keine Schrumpfung, kein Essiggeruch
- Komplettheit: möglichst alle Akte vorhanden
- Originalverpackung: Dosen, Labels, Verleihzettel
- Zertifikate oder Vorführnachweise
- Besondere Merkmale: Trailervorlauf, Inserts, Zensurhinweise
- Nachweis über Herkunft (Archiv, Kino, Sammlung)
Achtung bei nachträglich kompilierten Rollen oder Teilkopien – immer prüfen, ob das Material authentisch ist.
Einfluss von Zustand & Format auf den Preis
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Merkmal |
Einfluss auf Wert |
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Zustand |
Essenziell – gut erhaltene Rollen selten |
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Format |
35mm & 70mm gefragter als 16mm/8mm |
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Tonspur |
Vor allem magnetisch oder original optisch von Vorteil |
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Label & Dosen |
Originale erhöhen Wert & Glaubwürdigkeit |
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Restauration |
Erlaubt, aber dokumentiert am besten |
Ein makelloser Zustand kann den Preis einer Kinorolle vervielfachen – ebenso wie die Zugehörigkeit zu einem ikonischen Film.
Signierte Filmrollen & Spezialausgaben
Rollen mit handschriftlichen Notizen, Signaturen von Regisseuren oder Festivalvermerken gelten als besonders exklusiv. Ebenso gefragt sind:
- Jubiläumsrollen mit Sonderlabel
- Vorführkopien mit Synchronmarkierungen
- Rollen mit handschriftlichem Projektionsprotokoll
Diese Details machen die Rolle zum Zeitzeugnis – und nicht nur zum Trägermedium.
Kinorollen mit Zensurvermerken oder Trailern
Zensurstempel, Schnittmarker oder entfallene Szenen sind für Sammler ein besonderer Reiz – sie dokumentieren Filmgeschichte jenseits des Bildes.
Trailerrollen – oft einzeln als Kurzrollen verschickt – sind selten überliefert, da sie nach dem Einsatz vernichtet wurden.
Kopien mit restaurierter Vorlaufsequenz oder interner Notation gelten als kulturhistorisch besonders wertvoll.
Sammeltrends im internationalen Vergleich
- USA & UK: Fokus auf 35mm-Kinokopien großer Studios
- Frankreich & Italien: Arthouse, Nouvelle Vague, Giallo
- Deutschland & Österreich: DEFA, Filmclubs, Premierenrollen
- Japan: Anime-Kopien & Festivalrollen als Sammlermarkt
- Osteuropa: schwierig zugänglich, hohe Nachfrage im Westen
Besonders im Fokus: digital nicht erhältliche Filme, Skandalfilme, Langfassungen und Festivalkopien.
Wo man gesuchte Kinorollen findet
- Auktionshäuser (z. B. Bonhams, Heritage, Film-Only-Sales)
- Spezialisierte Online-Plattformen (Filmundo, Catawiki, eBay mit Vorsicht)
- Kinonachlässe & Sammlungsauflösungen
- Filmfestivals mit Sammlerbörsen
- Museen mit Dublettentausch oder Aussonderungen
Hinweis: Immer Echtheitsnachweis und Zustandsbeschreibung einfordern.
Sammlungen und Auktionshäuser
- Cinemathek-Sammlungen (z. B. Berlin, Wien, Lausanne) besitzen oft Überschüsse
- Private Archive bieten seltene Unikate im Direktverkauf
- Spezialauktionen mit Kinomemorabilia enthalten auch Filmrollen
- Verleihnachlässe aus der Auflösung bieten große Mengen – aber oft gemischte Qualität
Ein professionelles Netzwerk lohnt sich – auch für Tausch und Expertise.
Quellen:
Interviews mit Auktionshäusern & Sammlern (2022–2024)
Bundesarchiv-Filmarchiv: Katalog „Verleihkopien im Umlauf“
FIAF: Historical Film Copy Management
Dokumentierte Verkaufsdaten von Bonhams & Filmundo
Kuratorenberichte aus der Kinomuseumspraxis