Kult-Filmzeitschriften der Filmgeschichte: Eine Übersicht
Filmzeitschriften waren über Jahrzehnte hinweg das wichtigste Medium für Cineasten, um sich über neue Filme, Schauspieler, Technik und Premieren zu informieren. Vor dem Internet-Zeitalter prägten sie Meinungen, weckten Vorfreude und dienten vielen als Leitfaden für Kinobesuche. Einige dieser Magazine haben bis heute Kultstatus – sei es durch ihre Gestaltung, ihre Inhalte oder durch ihre Funktion als Sammlerobjekt.
Was ist eine Kult-Filmzeitschrift?
Kultfilmzeitschriften zeichnen sich durch eine besondere Kombination aus Relevanz, Ästhetik, Zeitgeistnähe und emotionalem Erinnerungswert aus. Sie spiegeln nicht nur die Filmwelt einer bestimmten Ära wider, sondern besitzen darüber hinaus ein Sammlerprofil. Kultstatus erreichen Titel, die über Jahre hinweg erschienen sind, redaktionelle Qualität mit ikonischem Layout verbinden oder durch spezielle Beilagen und Serienprägung hervorstachen.
Beliebte Magazine der 60er bis 90er Jahre
Im deutschsprachigen Raum gehören u. a. folgende Titel zu den wichtigsten Kultfilmzeitschriften:
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Filmkritik (BRD, 1957–1984): intellektuelle Auseinandersetzung mit Filmkunst
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Cinema (ab 1975): populäres Magazin mit starkem Bildfokus
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Moviestar, Premiere, Popcorn: stärker auf Stars, Poster und Unterhaltung fokussiert
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Illustrierter Film-Kurier (bis ca. 1963): Kinobeilage im Zeitungsformat
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Neues Film-Programm: kleine Heftchen als Kinobegleiter, oft mit Coverbild und Filmtext
International zählten z. B. Cahiers du Cinéma (Frankreich), Sight & Sound (UK), Fangoria (USA, für Horrorfilme) oder Starlog (Sci-Fi) zu den prägenden Titeln.
Unterschiede zwischen deutschen und internationalen Titeln
Deutsche Zeitschriften waren oft nüchterner im Layout und stärker auf Information und Filmkritik fokussiert. Internationale Magazine setzten früher auf Stars, Fotografien, Skandale und Layout-Effekte. Während z. B. Cinema in Deutschland Film als Popkultur inszenierte, blieb Filmkritik streng theoretisch. In Frankreich war Cahiers du Cinéma stilprägend für die Nouvelle Vague, während Photoplay (UK) glamouröse Schauspielerporträts zeigte.
Typische Inhalte von Filmzeitschriften
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Filmkritiken & Premierenberichte
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Interviews mit Schauspieler:innen & Regisseur:innen
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Set-Fotografien & Behind-the-Scenes-Reportagen
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Techniktrends & Kameraausstattung
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Programmvorschauen & Kinocharts
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Posterbeilagen & exklusive Serienartikel
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Leserbriefe & Gewinnspiele
Je nach Magazin wurde die Gewichtung unterschiedlich gesetzt – von cineastischem Feuilleton bis zu reinem Starportrait.
Filmzeitschriften als Sammlerobjekte
Filmzeitschriften haben heute Sammlerwert – besonders:
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vollständige Jahrgänge oder Seriennummern
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Erstausgaben oder Hefte mit Kultfilm-Titeln auf dem Cover
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Ausgaben mit original erhaltenen Posterbeilagen
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seltene Sonderhefte zu Festivals, Premieren oder Jubiläen
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Hefte aus untergegangenen Verlagshäusern oder mit experimentellem Design
Der Zustand ist entscheidend: Knicke, fehlende Seiten oder beschädigte Poster mindern den Wert erheblich.
Einfluss der Magazine auf Kinoentscheidungen
Vor dem Internet waren Filmzeitschriften eine der wenigen Informationsquellen über Neuerscheinungen. Viele Kinobesucher orientierten sich an Titelstorys, Wertungen oder Empfehlungen. Die Bekanntheit mancher Filme – insbesondere im Horror- und Science-Fiction-Bereich – wurde maßgeblich durch Magazine wie Fangoria oder Cinema geprägt. Auch heute noch sind Rezensionen aus alten Heften wichtige Quellen der Rezeptionsgeschichte.
Wie sich Zeitschriften-Layouts verändert haben
Layout und Drucktechnik entwickelten sich stetig: In den 60ern dominierten zweifarbige Drucke, serifenbetonte Typografie und Schwarz-Weiß-Fotos. Die 70er brachten Farbe und Offsetdruck, die 80er schließlich Hochglanzformate mit Airbrush-Titeln, Fotomontagen und Layouts im MTV-Stil. In den 90ern wurde die Gestaltung digitalisiert – mit neuen Schriftarten, digital bearbeiteten Fotos und erweiterten Bildstrecken.
Postereinlagen & Specials: Was sie besonders macht
Ein Alleinstellungsmerkmal vieler Kultmagazine waren die Posterbeilagen – meist als Mittelheft eingelegt oder als Faltposter beigelegt. Besonders beliebt waren:
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Starporträts (z. B. Harrison Ford, Julia Roberts, Arnold Schwarzenegger)
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Filmszenen und Plakatmotive
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Serienspecials (Star Trek, Buffy, Akte X)
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Monatskalender im Posterformat
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Gewinnspielplakate mit Nummerierung
Viele Sammler trennen Poster heute nicht mehr aus dem Heft – der Wert ist höher, wenn die Ausgabe vollständig bleibt.
Heftserien und Sammelcharakter
Einige Magazine veröffentlichten gezielte Sammelreihen, etwa „100 Jahre Kino“, „Oscar-Hefte“, „Horror Edition“, „Sommerfilm-Specials“ oder Themenhefte zu Regisseuren. Seriencharakter, fortlaufende Nummerierung und Rückseitengestaltung machten sie für Sammler besonders attraktiv. Auch Wechselcover und Regionalausgaben (z. B. Deutschland/Schweiz/Österreich) erweiterten das Sammelpotenzial.
Wo man alte Filmzeitschriften heute findet
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Antiquariate mit Schwerpunkt Film, Kunst oder Popkultur
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Online-Marktplätze: eBay, booklooker, ZVAB, filmundo
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Sammlerbörsen & Filmfestivals mit Flohmärkten
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Archivauflösungen von Verlagen oder Redaktionen
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Bibliotheken mit Altbestand (z. B. Deutsches Filminstitut, Cinémathèque Française)
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Facebook-Gruppen, Foren oder Discord-Communities rund um Filmnostalgie
Quellen:
Deutsches Filmmuseum Frankfurt – Sammlung Zeitschriften & Drucke
Filmarchiv Austria: Bestände Printmedien & Begleitmaterialien
„Filmkritik lesen“ (Hg. J. Bock & M. Horak), 2020
Sammlung CineGraph: Populäre Filmzeitschriften
Archiv „Cinema International“, Privatsammlung Wien